Deutsch lesen – Wie Eltern von Anfang an unterstützen können
Meistens fangen unsere Kinder ab etwa 5 bis 7 Jahren an, lesen können zu möchten - sie fragen beispielsweise "was steht dort?", wenn sie einen großen Schriftzug über einem Laden sehen.
Wenn sie in der Umgebungssprache dann in der Schule lesen lernen, versuchen sie, auch deutsche Texte zu lesen. Mit viel Nachfragen etc. lernen sie manchmal von selbst in Deutsch zu lesen. Einige werden mit Leichtigkeit das in der Schule Gelernte auch auf die zweite (schwache) Sprache umsetzen können. Die meisten werden ein wenig Hilfe und Unterstützung beim Übertragen des gelernten „Buchstaben-Erkennungsprinzips“ aus der Umgebungssprache auf die deutsche Sprache haben. Anderen wiederum wird diese Umsetzung mit der Zeit zu einer riesigen Hürde. Ohne verständnisvolle Unterstützung seitens der Eltern werden sie irgendwann - je nach Kind früher oder später - verzagen und sich nicht mehr dafür interessieren. So werden sie vielleicht auf einem Anfängerniveau stehen bleiben, so dass es immer mühevoll bleibt und deshalb meist dann ganz unterbleibt, deutsch zu lesen.
Durch den Umweg über die Umgebungssprache, in der das Lesen zum (meist) passenden Zeitpunkt erlernt wurde, werden die allermeisten beim Schreiben in der deutschen Sprache noch eine ganze Weile dieses Umdenken beibehalten müssen, sodass auch das aktive Schreiben zur Mühe wird und ohne stetige Hilfestellung unterbleiben könnte.
Bevor
der Mensch lesen lernte, schrieb er.
Wenn man sich das einmal klar macht, kann man diesen Prozess
auch mit dem Kind nachvollziehen, dann geht das Lesen lernen auf einmal ganz
natürlich und relativ leicht. Eine spielerische Herangehensweise könnte
in etwa so aussehen:
Sobald ein Kind anfängt sich für Buchstaben zu interessieren kann
man als Anfang drei der im Leben des Kindes am häufigsten vorkommenden
Buchstaben zu richtiggehenden Alltagsspielzeugen zu machen. Man kann sie ganz
GROSS aufmalen, mit den Händen nachfahren lassen (mit z.B. zwei Fingern
jeder Hand abwechselnd, dazu eignet sich Schreibschrift fast besser). Man kann
die Buchstaben in den Sand schreiben - oder ins Mehl beim Kuchenbacken, aus
Knetmasse formen, Sandkuchen-Förmchen in Buchstabenform besorgen, auf Pappe
oder Schaumstoff ausschneiden (bunt anmalen) und auf den Teppich legen und dann
drauf hüpfen und dabei immer den jeweiligen Laut-Buchstaben aussprechen
(Lachen ist garantiert)! Das bei allen „Buchstaben-Benennspielen“
beachten: und immer dazu den LAUT (nicht den "Namen") sagen: >>>ddddd<<<
und nicht "de", man darf keinen e-Laut hören.
Wichtig ist, dass alles ganz spielerisch und „wie nebenbei“ passiert und die Kinder jede Menge Spaß dabei haben. Positive Verstärkung durch Spaß und Lob steigert die Motivation der Kinder und der "Lernerfolg" kommt von ganz alleine.
Im Spiel merkt man bald, ob das Kind die drei ersten Buchstaben kennt. Sobald das der Fall ist, können drei weitere hinzukommen. Bei jedem „neuen“ Buchstaben bitte immer sagen: „das ist deutsch, das ist ein >>>mmmm<<<“.
In Dreierschritten geht das Lernen ganz schnell, und schon sind die 30 Buchstaben sind durch, einschließlich „ß“ und der Umlaute, die genauso vorgestellt werden wie alle anderen 26 Buchstaben und nicht als etwas Besonderes. Im nächsten Schritt kann man Buchstaben-Kombinationen vorstellen: eu, ie, ei, sch, ch... wiederum in Dreierschritten.
Die meisten Kinder sind sehr "taktil" orientiert. Sie erforschen und „Be“-greifen die Welt wortwörtlich. Um dem Kind dieses Gefühl zu vermitteln und ihm dadurch die Möglichkeit zu geben, die Buchstaben (nicht nur im Kopf) zu „besitzen“, kann man sie auf Kartons, mindestens so groß wie Postkarten, malen.(Noch besser aus einem anderen Material ausschneiden und draufkleben (für Bastelbegeisterte).
Und jetzt kommt das Einfache daran: irgendwann, kommt bei JEDEM Kind der Schritt, bei dem es selbstständig sagt, was es hört, zum Beispiel: „in Mama ist ein aaaaaaaaaa“. Selbst kann man unterstützend Fragen stellen: "welche Buchstaben kommen in Apfel vor?" Nennt das Kind EINEN richtigen Buchstaben, ist es richtig! Mehr, ist die Antwort genauso richtig. Nennt das Kind einen Buchstaben, der NICHT drin vorkommt, sagt man: „Du hörst ein B? - ich nicht.“ "Ich aber", erwidert das Kind darauf mit Sicherheit. „Ah ja! - was hörst Du noch?“, in diese Richtung sollte unsere Reaktion lauten, denn nichts ist falsch, wenn es das Kind hört.
Her mit den Stiften!
Nächster Schritt: das Kind schreibt. Ja, es wird
anfangen, zu schreiben. Nämlich dann, wenn es drauf kommt, dass die Buchstaben
eine Reihenfolge haben, und es „alle“ errät. Dieser Schritt
kommt normalerweise von selbst! Dann schreibt das Kind zum Beispiel: “HUNT
FUS MAUS HAUS AUTO (oder: AUDO) ...", das ist in etwa so, wie damals, als
es laufen lernte, sprechen lernte.....
Allerdings, nicht wundern: es kann noch nicht lesen! Auch nicht das, was es gerade geschrieben hat! Warum? Weil es die natürliche Reihenfolge ist, dass der Mensch zuerst schreibt. Das Lesen kommt ohne unser Zutun. Wenn es so weit ist, sollte man leichten Lesestoff anbieten. Wie wäre es für den Anfang mit großen, bunten Schildern an den Alltagsgegenständen? „Lampe“, „Kühlschrank“, „Tisch“ etc. Oder die Zimmer: „Schlafzimmer“, „Wohnzimmer“ etc...
Es sei noch einmal drauf hingewiesen, dass das fast gleichzeitige Lernen der Buchstaben/ Symbole in zwei Sprachen genauso wenig verwirrend ist (wenn es dem Interesse des Kindes folgt) wie das Hören zwei oder mehr Sprachen im Baby- und Kleinkindalter.
Wenn es dann ab und zu etwas Deutsches liest, oder als angehende Leseratte ganze Bücher verschlingt, dann ist das Deutschlesen weniger anstrengend, als wenn das Kind über 7 ist, schon in der Umgebungssprache lesen gelernt hat, und nun die Rechtschreibe-Aussprache-Regeln neu lernen muss, wenn es erst dann anfängt auf deutsch schreiben und lesen zu lernen, wäre professionelle Hilfe anzuraten